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Wie sich die Herstellung von Dingen ändert.

Chris Anderson hat mit Makers ein in die Zukunft weisendes Buch geschrieben und Deutschland um eine Vokabel reicher gemacht: Makers oder die der Makerbewegung. Maker gab es schon vorher in unserem Land. Chris Anderson holt sie in die Öffentlichkeit.

Über

Makers Chris Anderson
Erschienen im Hanser Verlag

Chris Anderson schrieb Long Tail

Zur Person. Chris Anderson war bis 2012 Chefredakteur von „Wired“. In Bezug auf Makers ist wichtiger, das er schon einmal weltweit einen Begriff setzte: Mit seinem Werk „The Long Tail“ beschrieb er das Phänomen, dass durch das Internet neue Geschäftskonzepte möglich werden. Das Buch Makers setzt einen anderen Schwerpunkt als Long Tail und doch komplett auf die gleiche Logik: Es lohnt sich, in der vernetzten, digitalen Welt Dinge anders zu tun. In diesem Falle Dinge anders herzustellen.

Chris Anderson ist ein Maker

Im Buch Makers schreibt Chris Anderson als Maker.

Ein Maker ist jemand, der selbst Dinge erschafft, diese professionell digital als Vektorzeichnung designed, den Prototypen über moderne digitale industrielle Maschinen ausgibt und wenn möglich diese selbst gemachten Dinge wieder an anderer Stelle in Klein- oder Großserie herstellt. Nicht nur das Prototyping unterscheidet den Maker. Er arbeitet häufig vernetzt und nutzt Open Source Ressourcen. Auch die Finanzierung und die Vermarktung funktioniert anders als in herkömmlichen industriellen Betrieben.

Über die zum Teil zu flache Rezension durch Journalisten

Makers war in den letzten Wochen oft in den Medien. Mit Amusement hörte ich eine Rezension, bei der der Rezensent Mühe hatte, den roten Faden zu halten. Häufig wurden einzelne Aspekte aus dem Buch rausgepickt. Vor allem der 3-D-Drucker hatte es den Journalisten angetan. „Druck Dir einen Kiefer“ titelte ein Magazin. Immer wieder wurden diese Wundermaschine fotografiert und gefilmt. Andere interviewten kreativ aussehende junge Menschen in Coworking Spaces. Digitale Revolutionäre kurz vor ihrer Tat.

Aber das Buch auf 3-D-Drucker und Coworker zu reduzieren, greift zu kurz.

Es geht nicht um 3-Drucker

Chris Anderson schreibt begeistert. An manchen Stellen mit dem Leuchten in den Augen, wie ein Junge, der sein erstes Modell-Flugzeug auspackt. Er bekennt sich dazu in seinem Buch. Und das macht es zutiefst sympathisch.

Er erzählt Geschichten. Damit wir uns die Zukunft vorstellen können. Er beginnt bei seinem Großvater. Einem Erfinder, der in der häuslichen Werkstatt kleine Erfindungen mühsam mit Drehmaschine und anderen Werkzeugen zusammensetzte. Harte Arbeit, die sich finanziell wenig rechnete. Von dieser Sicht in die Vergangenheit springt er in die Porträts heutiger Maker. In eine Situation, die alles verändert, wenn man selbst schaffen möchte.

Wir erleben ihn selbst, wie er als HighTech-Nerd-Vater seinen Töchtern Puppenmöbeln auf einem 3-D Drucker ausgibt. Wir schauen ihm über die Schulter, wie er mit anderen Makern zusammen Schaltkreise zusammenfügt, Platinen selbst bestückt, Werkstücke schneidet oder plottet und Flugspielzeuge baut.

Maker verändern die Produktion

Viele heutige Maker Produkte scheinen niedlich. Scheinen die HighTech Laune von Männern mit zu viel technischem Spielzeug zu sein. Und hier könnte das Buch aufhören – wenn es nicht Chris Anderson geschrieben hätte. Denn Chris Anderson ist Maker und das bedeutet: Unternehmer. Ab jetzt unterfüttert er die Geschichten mit einer stringenten Argumentation, warum die Maker industrielle Prozesse verändern werden.

Hier wird Chris Anderson von einigen missverstanden. Er schreibt an keiner Stelle, dass die Maker die komplette heutige Industrie ersetzen werden. Im Gegenteil: Mit Skaleneffekten kennt Chris Anderson sich aus. Nach wie vor hat die „Massenproduktion“ eine betriebswirtschaftliche Stärke, die von Kleinserien nicht überholt werden kann. Aber genau darum geht es ihm: Kleinserien werden auf einmal relevant und sind an vielen Stellen stärker als einfache Massenware. Und wer sagt, dass die Prototypen der Maker nicht in Großserie gehen?

Makerfirmen auf der ganzen Welt

Dass dies nicht nur Phantasie ist, belegt Chris Anderson mit Einblicken in Makerfirmen und Makerprojekte. Er springt an viele Schauplätze in England, den USA und darüber hinaus. Seine eigene Makerfirma 3D Robotics belegt alleine in San Diego (USA) 3.600 Quadratmeter und machte 2012 einen Umsatz von fünf Millionen Dollar. Ein zweites Werk in Mexiko ist gleich groß und 3D Robotics wächst zur Zeit mit 75 bis 100 Prozent pro Jahr!

Sein Streifzug durch all diese Projekte zeigt, dass die Maker mitnichten Heimbastler sind. Sie sind wettbewerbsfähig und häufig schneller in der Lage, komplexe Anwendungen zu entwickeln. Sie wagen sich auch an echte Autos, Flugzeuge und Hardware heran und werden ganze Technikbereiche umkrempeln.

Bestechend an seinen Ausführungen ist für mich die These, dass die Maker die Industrie in die hochentwickelten Länder zurückholen. Denn in der Skalen-Logik der Makerprodukte spielen die eingesetzten Stück-Mann-Kosten nicht mehr den alles entscheidenden Faktor in der Produktion. Und dann gibt es keinen Grund mehr, in Übersee herzustellen. Denn es macht mehr Spaß, es selbst zu tun.

Maker in Deutschland

Die Maker sind keine Phantasie. Es gibt sie. Auch bei uns in Deutschland. Diese Woche Freitag stand ich in den neuen Räumen von Protonet, dem Hamburger Maker Start Up, in dem eine hand voll junger Männer sich vorgenommen hat, den einfachsten und sichersten Server der Welt zu bauen. Einen ausgewachsenen Server. Mich würde es freuen, wenn sie es schaffen, die großen Firmen zu überholen bzw. ihre Longtail-Nische zu finden.

Sie produzieren zur Zeit noch Kleinserie per Hand. Viele Bauteile werden per Hand gebogen. Anders wären die ersten Produktionen in kleiner Auflage nicht umsetzbar. So etwas fällt nur einem Maker ein und bestätigt die Aussage: Was ich selbst in der Hand hatte, verstehe ich und kann ich beherrschen.

Maker und Smart Business Concepts

Wir haben uns den Smart Business Concepts verschrieben. Die Maker werden viele Smart Business Concepts betreiben. Die in unserem Buch beschriebenen „Ein-Produkt-Modelle“ sind z.B. eine Trasse, auf der viele Maker unterwegs sind. Aber ihre Genetik wird dort nicht aufhören. Wir werden Maker in vielen anderen Geschäftsmodellen wiederfinden.

Nicht jeder Smartianer ist ein Maker. Es gibt Smart Business Concepts, die ohne eine eigene Entwicklung auskommen. Wer z.B. ein bereits fertiges Produkt aus dem Ausland holt und in Deutschland einführt, muss kein Maker sein. Aber vielleicht holt er sich ein fertiges Maker-Produkt 😉

Fazit

Makers Chris Anderson ist ein Buch in der gleichen Bedeutung wie The Long Tail. Es ist spezialisierter und persönlicher, an manchen Stellen unwuchtiger, weil direkter im Leben geschrieben. Es führt direkt in eine Zukunft, die bereits begonnen hat.

Am meisten gefällt daran: Es ist eine Zukunft, in der immer mehr die Möglichkeit haben, etwas eigenes zu tun und davon auch geschäftlich zu leben.

Damit koppelt die Philosophie der Makers unmittelbar an das Phänomen der Smart Business Concepts an. Es geht darum, unabhängig zu werden durch die Kompetenz über die Dinge und das eigene Business. Dabei ist es in unseren Augen unwichtig, ob der Weg zum eigenen Business über einen 3-D-Drucker läuft oder nicht. Es geht darum, es selbst zu tun. Und damit treffen sich die Thesen: Wer sein eigenes Unternehmen hat, steuert sein Leben. Ein Kennzeichen eines Smart Entrepreneur.


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